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Die Seltisbergerstrasse zwischen Liestal und Seltisberg steht vor einer umfassenden Erneuerung. Ein technischer Kurzbericht zeigt nun die konkreten Details, den Zeitplan und die geplanten Gesamtkosten von rund 7.1 Millionen Franken für das kantonale Vorhaben. Die Unterlagen liegen öffentlich auf: Bis zum 5. September 2026 kann die Bevölkerung im Rahmen der Mitwirkung Stellung zu den Plänen nehmen.
Die Seltisbergerstrasse ist eine wichtige Verbindung für den Pendler- und Busverkehr zwischen Liestal und Seltisberg. Da sich die Fahrbahn in einem schlechten Zustand befindet, plant das Tiefbauamt Basel-Landschaft eine grundlegende Instandstellung auf einer Länge von knapp 1.5 Kilometern. Der näher am Ortszentrum von Liestal gelegene Abschnitt (Bahnüberführung bis zum ehemaligen Seltisbergerweg) wurde bereits im Jahr 2022 saniert und auf sechs Meter verbreitert. Nun soll das anschliessende Teilstück folgen.
Realisierung ab 2027 über ordentliches Budget
Der vorliegende technische Kurzbericht gibt einen Einblick in den zeitlichen und finanziellen Rahmen des Projekts. Die gesamten Baukosten werden auf rund CHF 7.1 Millionen beziffert. Auf Anfrage bestätigt die zuständige Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons, dass für das Projekt keine separate Kreditvorlage notwendig sei und somit nicht zusätzlich vom Kantonsparlament bewilligt werden müsse. Die Finanzierung erfolgt vollständig über das ordentliche Instandsetzungsbudget des Tiefbauamts.
Auch der zeitliche Horizont ist bereits grob abgesteckt: Der erste, rund 830 Meter lange innerörtliche Abschnitt «Wetterchrüz» soll gemäss der aktuellen behördlichen Zielplanung in den Jahren 2027 und 2028 realisiert werden. Für den darauffolgenden, 650 Meter langen Ausserortsabschnitt bis zur Gemeindegrenze zu Seltisberg ist das Jahr 2029 vorgesehen. Da das Projekt nach der laufenden Mitwirkung jedoch noch das formelle Planauflageverfahren durchlaufen muss, handelt es sich hierbei laut Kanton um die «frühestmöglichen Realisierungstermine», die unter dem Vorbehalt eines planmässigen Verlaufs stehen.
Verzicht auf Velostreifen in engem Kurvenbereich
Ein Kernziel des anstehenden Ausbaus ist die Verbesserung der Sicherheit für den Fuss- und Veloverkehr. Besonders ausserorts wird dafür ein spürbarer baulicher Aufwand betrieben: Das bestehende Trottoir wird auf die Hangseite verlegt und zu einem 2.5 Meter breiten, kombinierten Geh- und Veloweg ausgebaut. Laut Kanton hat dieser Seitenwechsel den entscheidenden Vorteil, dass er innerhalb des bestehenden Grundeigentums des Kantons realisiert werden kann und kein zusätzlicher Landerwerb nötig ist.
Beim genauen Studium der Pläne fällt eine Lücke auf: Ausgerechnet im steilen Kurvenbereich unterhalb des Reservoirs Burg ist kein separater Velostreifen markiert. Zwar ist das Ausweichen auf den Gehweg möglich, doch gerade in diesem engen Abschnitt ist der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Motorfahrzeugen und bergwärts fahrenden Velos am grössten. Der Kanton begründet dies auf Anfrage mit den engen Platzverhältnissen: Die Strasse werde bergseitig durch eine grosse Stützmauer und hangseitig durch eine steile Böschung begrenzt. Eine separate Veloführung würde erhebliche bauliche Sicherungsmassnahmen sowie einen grossen Erwerb von Privatland erfordern.
Der Veloverband Pro Velo beider Basel begrüsst die geplanten Verbesserungen zwar grundsätzlich, sieht an dieser Stelle jedoch noch Prüfbedarf. Geschäftsführer Roland Chrétien vermutet, dass im Kurvenbereich aufgrund der Unübersichtlichkeit auf eine sogenannte Kernfahrbahn – eine Strasse ohne Mittellinie mit Velostreifen – verzichtet wurde. Er fordert deshalb, dass alternativ geprüft wird, das Trottoir aufwärts offiziell für Velos freizugeben. Zudem schlägt der Verband eine Einführung von Tempo 30 in jenen Abschnitten vor, in denen keine spezifischen Velomassnahmen möglich sind. Ein weiteres Anliegen von Pro Velo ist eine optimierte Anbindung des Quellenwegs als direkte Route vom Bahnhof Liestal.
Neues Konzept bei Haltestelle «Eglisacker»
Ein weiterer Punkt betrifft den öffentlichen Verkehr: Die Bushaltestelle «Eglisacker» der Linie 72 wird hindernisfrei umgebaut und von einer klassischen Haltebucht in eine reine Fahrbahnhaltestelle umgewandelt. Da der Bus künftig auf der Fahrbahn stoppt, teilt er sich diesen Bereich mit dem neuen, bergwärts führenden Veloweg. Ein haltendes Fahrzeug blockiert in dieser Situation vorübergehend die Spur in der Steigung.
Das Tiefbauamt betont hierzu, dass Fahrbahnhaltestellen im Kanton ein übliches und bewährtes Konzept seien und die Strasse bei der Haltestelle «Eglisacker» nur eine geringe Steigung aufweise. Zudem sei durch die Fachstellen und die Polizei bereits eine verkehrstechnische und sicherheitsrelevante Beurteilung erfolgt. Auch vonseiten Pro Velo gibt man sich diesbezüglich unbedenklich: Da es sich um einen seltenen Begegnungsfall handle, störe die Fahrbahnhaltestelle den Veloverkehr nicht, so Roland Chrétien.
Mitwirkungsfrist läuft bis Anfang September
Für das Projekt wird ein dauerhafter Erwerb von rund 200 Quadratmetern Privatland nötig sein. Weitaus grösser ist mit rund 2’800 Quadratmetern die vorübergehende Beanspruchung von Anwohnerflächen für Arbeitsräume und Installationen während der Bauphase. Fragen zur Linienführung und den Landabtretungen erörtert der Kanton nach eigenen Angaben direkt mit den betroffenen Eigentümern im Rahmen der anstehenden Verhandlungen.
Die öffentliche Mitwirkung zum Bauprojekt läuft bis Samstag, 5. September 2026. In dieser Zeit können Einwendungen und Vorschläge zum Bauprojekt schriftlich per E-Mail oder Brief mit dem Vermerk «Mitwirkung Seltisbergerstrasse Liestal» eingereicht werden an:
Die Projektunterlagen werden während der gesamten Dauer der Mitwirkungsfrist in der Verwaltung der Stadt Liestal sowie der Gemeindeverwaltung Seltisberg aufgelegt und können dort während der Schalteröffnungszeiten eingesehen werden. Auf digitalem Weg stehen die Pläne und Berichte auf der offiziellen Webseite des Kantons Basel-Landschaft zur Verfügung; auf der Online-Plattform der Stadt Liestal sind sie hingegen (Stand 18.8.) nicht einsehbar.
Geschrieben von: grenzenlos
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